Sedermahl  


Die volkstümliche Darstellung eines Seder-Mahls durch einen anonymen Künstler aus der West-Ukraine gab Karl Rüdiger die Anregung zur Gestaltung der siebenteiligen Gruppe. Es ist die Lebenswelt des russischen Schtetls.


Tableau Sedermahl

Das kulturhistorische Interesse zielt in erster Linie auf Tracht und Alltagsgegenstände, auf Gesten und Handlungen bei einer religiös tradierten Verrichtung, dem Seder-Mahl. Die beiden ersten Abende des Passah-Festes liegen zwischen dem 14. und 22. Nissan. Das entspricht etwa dem April und bezeichnet den Anfang des bürgerlichen Jahres. Diese Abende werden wegen der bei der häuslichen religiösen Feier nach einer bestimmten Seder - d.h.Ordnung - gehaltenen Liturgie "Sederabende" genannt.

Die Agende für den häuslichen Gottesdienst wird als Pessachhagada bezeichnet und enthält außer Gebeten und Feiertagsliedern hauptsächlich die Erzählung vom Auszug aus Ägypten.
Das Passah-Fest wird im übrigen unter anderem durch den Genuss ungesäuerten Brotes begangen, das in der oben angeführten Darstellung neben der aufgeschlagenen Pessachhagada liegt. Das ungesäuerte Brot, Mazzoth genannt,ist vergleichbar dem Brot, welches die Christen beim Abendmahl brechen.

Was bei der Umsetzung in die gedrechselte Wirklichkeit entsteht, ist ein Gestalt gewordenes Kleinbild von der Welt der umgebenden Kultur, die die Welt - hier die des russischen Schtetls - in einem überschaubaren Mikrokosmos erleben lässt.

 


zit. nach Helmut Flade 1982: Das Erbe Friedrich Fröbels in der VERO Designstrategie, Manuskript 1982 in: Helmut Flade, Seiffener Spielzeug, Volkskunst aus dem Erzgebirge, Verlag der Kunst, 1992 .