Kleine Welten  


Mit kleinen Dingen hat sich Karl Rüdiger schon als Kind beschäftigt.
Zu sinen Lieblingsobjekten zählten die WHW-Abzeichen, die bei Straßensammlungen in der Zeit des dritten Reiches verkauft wurden. Vor allem hatten es ihm die Anhänger aus dem Erzgebirge angetan: Kleine Figürchen, mit denen sich so gut spielen ließ und die seine Bauwerke aus Bauklötzchen bewohnten, die er auf der schmalen Fensterbank seines Kinderzimmers als bevorzugtem Spielplatz aufbaute.

Aus Haussner Elastolin bzw. Lineol waren die Aufstellfiguren einer großen Militärkapelle, die zur Vervollständigung zu bringen sein Besitzerwunsch war und der ständige Antrieb für Geschenkwünsche an seine Eltern darstellte.

Plastilin, in der Nachkriegsproduktion eine olivgrüne oder ockerfarbige Masse, war das Spielmittel für Karl Rüdiger, aus dem er damals schon kleine figürliche Plastiken formte: Den Hirt, Fritz den Schumacher, den Bauer, Sir John Falstaff u.a.

Nach dem Krieg bekam Karl sein erstes Aquarium. Der Aquaristik mit ihren kleinen, farbigen Lebenswelten ist er als Hobby bis in seine späten Lebensjahre treu geblieben.

Bücherwelten hat er als umfangreiche Bibliothek angesammelt, Noten und Partituren sind zur stattlichen Musikbibliothek angewachsen und als Musiker hat er eine Spezialsammlung "Musik auf Briefmarken" aufgebaut.

Bereits in der Schule eröffnete ihm die Arbeit am Mikroskop den Blick in die kleinen Wunderwelten der Natur. Das Leben im Wassertropfen und die Fortpflanzungsbiologie der Moose konnten ihn so begeistern, daß ihm seine Eltern den Wunsch nach einem eigenen Mikroskop erfüllten.

Seinem Deutschlehrer verdankte er die Bewusstwerdung seiner Neigung zu kleinen Dingen. Bei der Lektüre der Vorrede zu den "Bunten Steinen" von Adalbert Stifter - vergleiche Startseite - bekam "das Kleine", bisher mit der dinglichen Welt verbunden, erstmals einen reflektierten Hintergrund. "Das Kleine" geriet damit unversehens in den Horizont seiner gezielten Aufmerksamkeit.

"Je älter man wird, umso mehr begreift man, daß die so genannten kleinen Dinge eigentlich die großen sind." Romano Guardini.