Spielzeug  


Das Sammeln von Objekten aus dem Volkskunsthandwerk ist eng verbunden mit dem Begriff
Spielzeug. Der Ort Seiffen im Erzgebirge nennt sich Spielzeugdorf. Olbernhau bezeichnet sich
als Stadt im Spielzeugland des sächsischen Erzgebirges. Die Spielzeugstadt Sonneberg
nennt sich sogar Weltspielwarenstadt. "Spielzeugland" ist aber auch ein Shop mit Marken
wie Lego, Playmobil, Barbie und ähnlichem.

Unter der Kategorie Holzspielzeug führt "Spielzeugland" Baukästen und Holzpuzzles auf.
Hier wird unter Spielzeug offenbar etwas anderes verstanden als das traditionelle
Holzspielzeug beispielsweise aus dem Erzgebirge.


Erzgebirge, Werkstatt Flade (& Wiltner), H 45 - 78

Hier zeichnet sich ein Wandel ab. Die KidsVerbraucherAnalyse 2007 stellt fest:
Die 6 bis 9 jährigen haben noch überwiegend traditionelles Spielzeug in ihren Kinderzimmern.
Aber auch Handspielgeräte wie der Game-Boy werden immer beliebter.
Weitaus häufiger wird bei den 10 - 13 jährigen der Bildschirm zum Spielfeld. Die Dynamik
bei Kinderspielwaren kommt derzeit vor allem aus dem Bereich der < Electronic Games >,
wobei die klassischen Spielwaren deshalb noch lange nicht ausgedient haben.

Total digital geht es inzwischen besonders bei den älteren Kindern zu. Spielen am Computer
bleibt die Hauptbeschäftigung. Ungebremst geht die Entwicklung bei der Internetnutzung
weiter. Das Kinderzimmer wird multimedial. Die Eltern sind bereit, tief für den Nachwuchs
in die Tasche zu greifen. Im Übrigen wächst das Geldvermögen der Kinder weiter.
Das Zeitalter des Spielzeugs als < Zeug zum Spielen > hat ausgespielt;
das Zeitalter des Spielzeugs als Ideenträger für Konsum und Kultur hat begonnen.

Wir haben es inzwischen mit einer sich verändernden Erziehungswelt zu tun.
Prof. Dr. Jürgen Oelkers, Universitätsprofessor für Allgemeine Pädagogik an der Universität
Zürich spricht in diesem Zusammenhang von < kommerzialisierter Kindheit > und der neuen
Grunderwartung der Kinder, daß sie "unterhalten" und nicht "erzogen" werden.
Vor diesem Wandel bekommt die traditionelle Holzkunstgestaltung des Volkskunstgewerbes
als Spielzeug anachronistische Züge. Als Spielzeug lassen sich die zeitgenössischen Produkte
aus dem so genannten Spielzeugland heute sicher nicht mehr sammeln.

Der Begriff ‚spielen' wird in der Regel mit Kindern in Verbindung gebracht. Es ist aber
durchaus nicht ungewöhnlich, dass Erwachsene mit Spielzeug spielen. Heute sind die
im Spielzeugland hergestellten Produkte als Erwachsenenspielzeug
oder als Sammelobjekte interessant.


Erzgebirge, Maler Klecksel, Hans Huckebein der Unglücksrabe
"Spieglein, Spieglein an der Wand…", H 60 - 70 mm

Der Erwachsene spielt aus Freude am Spiel, der Sammler gewinnt einen Überblick
über den Einfallsreichtum und das handwerkliche Geschick, mit dem die Holzkunsthandwerker
die traditionsgebundene Gegenstandswelt ihrer Erzeugnisse weiter entwickeln.

 

KidsVA , Ingo Höhn/ Ralf Bauer, Egmont Ehapa Verlag GmbH / Wallstraße 95 / 10179 Berlin

Prof .Dr .Hein Retter, TU Braunschweig: Spiel und Spielzeug auf der Schwelle eines neuen Zeitalters oder Quo vadis, homo ludens? / International Council for Children's Play 2001 (Erfurt 06 -08.06.01) Eröffnungsvortrag. Sonderdruck Memmelsdorf b. Braunschweig: Nostheide Verlag 2001